Pinus sylvestris
Pinus sylvestris:
Es ist wohl die am weitesten verbreitete Kiefer Europas.
Sie ist grob in drei europäische Arten einteilbar, einmal in die uns ganz allgemein bekannte Mitteleuropäische Gemeine- oder Waldkiefer, Föhre oder auch Rotkiefer genannt, dann die allgemein als Scots Pine (Schottische Kiefer) bekannte nördliche Pin. sylvestris, die sich optisch nur sehr gering, wenn überhaupt von der Mitteleuropäischen unterscheidet.
Die südliche Pin. sylvestris (südl. Alpenregion bis Spanien) unterscheidet sich sowohl durch kräftigere Nadeln als auch durch eine etwas grauere Nadelfarbe und etwas kompaktere Wuchsform.
Als Bonsai eignen sich alle Sylvestrisarten unter gewissen Voraussetzungen sehr gut, jedoch sind sie etwas empfindlich - anfänglich, und besonders bei Yamadori - bei der Bearbeitung der Wurzeln. Ansonsten sind sie sehr gut und leicht zu halten, vertragen einen Rückschnitt sehr gut, und bei entsprechender Haltung und Pflege entwickelt sich eine sehr schöne Feinverzweigung mit kurzen Nadeln. Pin. s. ist eine zweinadelige Kiefer, bei der auch manchmal je nach geografischem Vorkommen die Nadelfarbe und Form etwas variiert: die südliche Sylvestris hat eine mehr grüngraue Farbe mit kräftigeren Nadeln, die mitteleuropäische eher ein fahles Dunkelgrün mit leichtem Gelb und ist feiner.
Die Winterfarbe allerdings ist dann auch wieder sehr unterschiedlich, je nach Standort der Kiefern. So kann es sein, dass Kiefern aus Mooren im Winter eine richtig gelbgrüne Farbe zeigen, Kiefern aus felsig-kiesigen oder steinigen Böden eine fahl-graugrüne Farbe zeigen - das allerdings kann sich bei der Schalenhaltung wieder ändern. Die Länge der Nadeln bei einer gesunden Kiefer beträgt normalerweise ca. 5-6cm, lässt sich aber nach längerer Schalenhaltung und entsprechender Pflege als Bonsai auf 1,5 - 2 cm verringern.
Pinus sylvestris als Baumschulpflanze:
In Baumschulen findet sich die Sylvestris nicht allzu häufig, und eine, um einen Bonsai daraus entstehen zu lassen, nur mit viel Glück.
Wenn aber doch, so hat man daraus einige Vorteile: da wären einmal der kompakte Wurzelballen, der sich meist problemlos in eine größere Schale verpflanzen lässt - wenn dieser allerdings auch nicht mit dem schönen Wurzelansatz einer frei wachsenden Kiefer vergleichbar ist. Dann ist ein eventueller Rückschnitt auch gleich möglich, und oftmals kann bereits nach einer Wachstumsperiode (jedoch lieber später) mit dem Gestalten begonnen werden.
Die meisten Baumschulpflanzen sind allerdings erst einige Jahre (10 - 20) alt - und dementsprechend sieht auch die noch relativ junge Rinde aus, was sich aber bei entsprechender Schalenhaltung eher ändert als bei Freilandhaltung.
Um eine kurze und feine Verzweigung zu erhalten, ist ein Rückschnitt im `benadelten` Bereich angebracht, was die gewöhnlicherweise sehr kräftigen und gesunden Baumschulkiefern problemlos vertragen. Bei ausreichender Düngung entsteht eine starke Rückknospung, was dann zu der erwünschten Feinverzweigung führt.
Eine Knospenselektion ist dringend erforderlich, denn wenn dies versäumt wird, entstehen derart viele Knospen, oftmals ganze Nester, dass eine spätere Selektion schwierig wird, da der Überblick nicht mehr gegeben ist, besonders für Neulinge.
Die Stilform bei Baumschulkiefern ist normalerweise eher bei Streng bis Frei Aufrecht anzusiedeln , weniger die beliebten Extremformen, welche allerdings bei entsprechendem Ausgangsmaterial auch erreicht werden können.
Für Bonsai geeignete Sylvestris-Arten aus Baumschulen sind z.B. auch:
- Pin.sylv beauvronensis
- Pin sylv nana
- Pin. sylv waterii
Pinus sylvestris als Yamadori:
Hier lacht das Bonsaianerherz, das ist der Wunschtraum Vieler, aber, wie auch Viele wissen, nicht der einfachste Weg.
Um eine schöne(Bonsai-) Kiefer in der Natur zu finden, ist meist viel Mühe und ein langer Weg erforderlich - und nicht zu vergessen, viel Erfahrung !
Die Gemeine Kiefer oder Rotkiefer, wie sie bei uns genannt wird, ist bei Störung im Wurzelbereich sehr empfindlich und ein Ausgraben zum falschen Zeitpunkt aussichtslos und fast immer ohne Erfolg. Hat man eine Kiefer geborgen, so sollte unbedingt ein Austrocknen der Wurzeln verhindert werden; auch das führt meist zu irreparablen Schäden. Ein grobes, wasserdurchlässiges Pflanzsubstrat zum Eintopfen ist wichtig, ich benütze ein gut ausgesiebtes Kies-/Sand-Gemisch, dazu noch etwas Bims und Lava, eventuell noch grobes Akadama, was das Ganze allerdings unverhältnismäßig teuer macht.
Ein weiterer Nachteil sollte hier unbedingt genannt werden, und das ist die Eingewöhnungszeit; das heißt, bis die Rotkiefer ein ausreichendes Wurzelwerk gebildet hat, vergehen meist ein paar Jahre, und diese Geduld bringen Viele nicht auf, was dann dazu führen kann, dass wieder einmal eine Kiefer “verschwindet”.
Meine Kiefern haben in der Regel bis zu 4 Jahren Zeit, sich einzugewöhnen - und erst dann beginnt die Gestaltungsarbeit. Ich möchte aber betonen, dass ich nach einer Vegetationsperiode zu düngen beginne und ab der 3. mit dem Ausbrechen der Knospen, wenn es der Gesundheitszustand der Pflanze zulässt.
Es ist alles Erfahrungssache!
Eine Feinverzweigung bei Yamadori-Kiefern grundsätzlich so zu entwickeln wie bei Baumschulpflanzen ist meist nicht notwendig, denn diese kann schon ansatzweise bis gut vorhanden sein. Ansonsten ist die Vorgehensweise wie bei diesen.
Besonders beliebt und begehrt sind natürlich Yamadori-Kiefern in extremen Wuchsformen, mit viel Jin und Shari oder mit “unnatürlichen” Stammformen, wie sie eben nur die Natur hervorbringen kann.
Ein weiterer Vorteil bei gesammelten Kiefern ist dann auch die meist sehr schöne rissige Borke und die sehr kurzen Nadeln (1,5 - 2 cm) gegenüber einer wüchsigen Baumschulpflanze, welche die natürliche Nadelgröße von 5 - 7 cm haben.
Die Rinde bzw. Borke kann feinschuppig wie auch grobborkig ähnlich einer Thunbergi ´cortikosa´ sein. Das ist vermutlich vom Standort bedingt, kann aber auch eine eigene Unterart sein, da beide Variationen manchmal nebeneinander am selben Platz, kaum 50 cm voneinander entfernt, vorkommen.
Grundsätzlich ist die Pinus sylvstris eine ausgesprochen Bonsai geeignete Kiefer, leicht zu halten und für kreative Bonsaikünstler eine Pflanze, die viel Freude macht.
Sie ist für Shohin genauso geeignet wie für große Bonsai.
Haltung und Pflege als Bonsai:
Standort: Vollsonnig und etwas erhöht, möglichst freistehend. Trocken!
Pflanzsubstrat: Ein grobes wasserdurchlässiges Substrat bestehend aus Sand, Bims, Lava, evtl. Akadama, alles ausgesiebt, damit die Feinanteile entfernt werden, um ein Verschlämmen zu verhindern.
Selbstverständlich können auch noch andere Pflanzsubstrate verwendet werden, je nach eigener Erfahrung.
Gestalten: Die Gestaltung wird üblicherweise mit Draht (Bonsaidraht aus Aluminium oder Kupfer) bewerkstelligt und mit abspannen unterstützt. Kiefern lassen sich sehr einfach und schön in Form bringen. Es dauert aber einige Jahre, bis Stamm und Äste wie gewünscht in Form bleiben.
Verfeinern: Um eine Feinverzweigung zu erreichen, ist, wenn notwendig, ein Rückschnitt der oder des Astes erforderlich - dabei immer auf zwei Knospen oder Triebe reduzieren! Bei dem entstehenden Neuaustrieb werden wieder alle Knospen bis auf zwei entfernt. Bei der dadurch entstandenen feinen Verzweigung ist gleichzeitig ein kürzer Werden der Nadeln eingetreten, was ein zusätzlicher Erfolg ist.
Hier werden somit zwei gewünschte Komponenten gleichzeitig erreicht.
Das Einkürzen der Knospen oder Kerzen ist immer ein Thema bei der Kiefernpflege.
Hier kann man folgendermaßen vorgehen:
einmal das Ausbrechen der neuen Kerzen im Anfangsstadium, bei einer Länge von ca.1,5 cm, um zu erreichen, dass sich unmittelbar darauf neue Knospen und Kerzen bilden, welche dann im selben Jahr zu relativ kurzen Nadeln heranwachsen,
- oder -
im Herbst ( etwa im Sept.) den gesamten Neuaustrieb zurückschneiden, was auch hier wiederum zu einer neuen Knospenbildung führt, woraus selbstverständlich erst in nächsten Jahr ein Neuaustrieb entsteht und sich Kerzen entwickeln.
Gießen: Bedingt durch das grobe Pflanzsubstrat ist auf genügend Feuchtigkeit zu achten, allerdings benötigen Kiefern grundsätzlich nicht soviel Wasser wie Laubbäume.
Es hat sich bewährt, Kiefern von oben bis unten zu überbrausen, das verschafft auch den Nadeln die nötige Feuchtigkeit.
Düngen: Als Dünger hat sich üblicherweise organischer Dünger bewährt.
Man kann aber zwischendurch, jedoch auf keinem Falle zusammen, VORSICHT!, darauf ist unbedingt zu achten, Bittersalz zu geben, um die Nadelfarbe zu verbessern. Auch andere mineralische Dünger sind möglich. Organischer Dünger bei gesunden Kiefern kann in relativ großen Mengen verabreicht werden, ohne dass Schäden entstehen, es wird lediglich eine verstärkte Knospenbildung angeregt.
Umpflanzen: Junge Bonsaikiefern sollten alle 3-4 Jahre umgetopft werden, alte höchstens alle 7-10 Jahre, das hat sich bei mir in der Praxis bewährt.
Drahten: Das Drahten und dadurch Formen einer Kiefer ist ein für mich besonderes Ereignis, ist es doch fast eine Neuerschaffung der vorhandenen Pflanze, eine Kreation in einen zukünftigen Bonsai.
Zum Drahten verwendet man vorzugsweise eloxierten Aludraht oder Kupferdraht ( ausschließlich im Bonsaifachhandel erhältlich ), der dann nach den bekannten Regeln aufgebracht wird.
Entfernen von Draht: An stark gebogenen Stämmen und Ästen wächst der Draht schneller ein -
der Grund ist: durch das Biegen der Äste sind Zellen aufgerissen und verletzt worden, was eine verstärkte Kallusbildung bewirkt wodurch der Stamm/Ast an dieser Stelle schneller anschwillt.
Ansonsten sollte der Draht mindestens alle zwei Jahre entfernt und sofort oder nach einem Schonjahr wieder neu aufgebracht werden.
Jin oder Sharibereiche werden besser mit Jinmittel oder einem Ersatz behandelt, um ein frühzeitiges Verrotten zu verhindern.
Um bei einem frisch gestalteten Baum den leuchtenden Kupferdraht etwas zu verbergen, kann man stark verdünntes Jinmittel sprühen. Dadurch oxidiert der Draht, wird schwarz und somit fast unsichtbar.
Das sieht einfach besser aus.
