Pinus mugo
Pin. mugo, oder auch Bergkiefer, Krüppelkiefer bzw. Latschenkiefer genannt, ist vermutlich die am Häufigsten zu Bonsai gestaltete Kiefernart Europas. Das begründet sich darin, dass sie durch ihre Wuchsform besonders ansprechend scheint. Die Wuchsform ist genetisch bedingt eher klein, zeigt aber damit auch, dass die Mugo einen sehr großen Überlebenswillen hat, was bedeutet, dass sie sich sehr leicht in das System Bonsai (Schalenhaltung) einbinden lässt.
Pin. mugo ist sowohl als Baumschulware als auch als Jamadori erhältlich.
Auch die Pin. mugo ist eine zweinadelige Kiefer mit einer herrlich dunkelgrünen Farbe. Und ich konnte bis Dato keine wesentlichen Farbunterschiede bei diesen Kiefern aus verschiedenen Regionen feststellen. Auch bei Pin. mugo werden die Nadeln automatisch nach langjähriger Bonsaihaltung kürzer.
Pinus mugo als Baumschulware:
In Baumschulen gibt es unzählige Variationen bis hin zu Zwergformen , z.B. Pin. m. mops, was aber nicht heißen muß, dass diese besonders bonsaigeignet sind. Ich persönlich halte von solchen Minizuchtformen nichts. Ich ziehe normal wachsende Zuchtformen vor, schon deshalb, weil deren Reaktionen nach einem ev. Rückschnitt oder nach dem Gestalten überschaubarer sind.
Bei Baumschulpflanzen hat man eine sehr große Auswahl an Varianten was Größe, Laub und anzustrebende Stilform betrifft, alles ist reichlich vorhanden, ausgenommen davon ist wahrscheinlich die streng aufrechte Form - diese ist eher selten anzutreffen.
Die Mugo sollte wie alle Kiefern in ein gut durchlässiges Substrat eingepflanzt werden, eine entsprechende Drainageschicht ist einzubringen, und es muß darauf geachtet werden, dass keine Staunässe entstehen kann. Fest in die Schale eingebunden, evtl. mit Alu-Draht, sollte sie mindestens eine Wachstumsperiode (lieber mehr) Zeit bekommen, bis an eine Gestaltung gedacht wird. Das Entfernen von nicht benötigten Ästen kann sofort erfolgen, jedoch ein „ Einkürzen“ der Äste würde ich unterlassen, damit die vorhandenen Knospen und Nadeln das notwendige Wurzelwachstum fördern können. Erst wenn die Kiefer einen normalen und gesunden Austrieb anzeigt, kann mit dem Rückschnitt bzw. Einkürzen der Äste begonnen werden, um eine Feinverzweigung und Knospenreduktion anzustreben. Pin. Mugo lässt sich sehr schön durch Draht in Form bringen, es ist lediglich darauf zu achten, dass derselbe nicht einwächst, was bei stark gebogenen Ästen häufig passiert.
Gerade für Einsteiger bezüglich Kiefern als Bonsai sind alle Baumschulmugos sehr empfehlenswert , sie sind sehr preisgünstig zu bekommen und die Ausfälle durch zu übermäßiges Bearbeiten halten sich in Grenzen.
Pinus mugo als Yamadori:
Pinus mugo als Jamadori sind sehr begehrt, sie verfügen über eine unglaubliche Ausstrahlung, oftmals mit extremen Jin und Shari und manchmal unvorstellbaren Stammformen. Dazu kommt noch ihre sprichwörtliche Widerstandskraft gegen äusserliche Veränderungen und Einflüsse.
Selbstverständlich sind, wie bei allen gesammelten Bäumen, gute Stücke selten zu sehen und zu bekommen, wer jedoch das Glück hat, eine dieser extremen Kiefern sein Eigen nennen zu können, sollte sehr achtsam damit umgehen.
Gesammelte Bergkiefern haben normalerweise ein hohes Alter, bis weit über 200 Jahre ist ohne weiteres möglich. Sie stammen aus exponierten Regionen am Rande der Baumgrenze oder Gebieten mit Magerböden wie Hochmoore oder derartigem, wodurch das Wachstum so verlangsamt ist, dass die Größe im Verhältnis zum Alter der Kiefern sehr gering ist, was sie aber dann gerade als Bonsai besonders geeignet und beliebt macht.
Um einer gesammelten Bergkiefer die Chance zu geben, einmal als ein hervorragender Bonsai ausgestellt zu werden, sollte man ihr viel Zeit geben, bis man sich an die Gestaltung heranwagt, ohne ein Risiko einzugehen. Ich würde mindesten 3-4 Jahre empfehlen, allerdings bin ich der Meinung, diese Zeit sollte man allen gesammelten Pflanzen zugestehen, um einen Verlust zu verhindern.
Pin. mugo hat Nebenarten oder auch Unterarten, die ohne menschliches Zutun entstanden sind, das heißt, sie haben ein völlig natürliches Entstehungs-Verbreitungsgebiet, so dass sie als selbstständige Arten angesehen werden können, wie zB. Pin. m. pumilo, Pin. m. rostrata oder auch, was als Bonsai ab und an zu sehen ist, die Pin. uncinata.
Pin. rostrata und Pin. Uncinata sind eher aufrecht wachsende Arten, besonders die Uncinata hat den Habitus einer streng aufrechten Form ähnlich einer Fichte und erreicht eine Größe von bis zu 25- 30m. Nur in schneereichen oder von Lawinen und Steinschlag gefährdeten Stellen kommen dann jene begehrten Objekte vor, zerdrückt und geschunden von Mutter Natur, um dann von einem Sammler ausgegraben und erlöst zu werden.
Alle sind als Bonsai oder zu Bonsai gestaltbar und so auch gut geeignet, und bei entsprechender Pflege wird man lange Jahre seine Freude daran haben.
Haltung und Pflege als Bonsai:
Standort: Wie alle Kiefernarten sollte Pin.mugo sehr hell und sonnig aufgestellt werden.
Pflanzsubstrat: Hier gilt das gleiche wie für alle Kiefernarten, gut durchlässig, um Staunässe zu vermeiden.
Gestalten: Pin. mugo lässt sich besonders leicht formen, Stamm und Äste sind äusserst biegsam, ev. ist es ratsam, die zu drahtenden Bereiche mit Bast oder dergl. zu umwickeln, um Schäden zu vermeiden.
Verfeinern: Alle Mugoarten treiben relativ leicht ins alte Holz zurück, sogar zum Teil in die unbenadelten Bereiche, was zur Folge hat, dass das Knospenwachstum genau kontrolliert werden muß. Auch hier sollte am besten immer mit zwei Knospen gearbeitet werden. Dabei verkürzt sich die Nadellänge auch, allerdings nicht so offensichtlich wie bei Pin. sylvestris.
Gießen: Wie es bei den anderen Kiefern der Fall ist, braucht die Mugo Wasser nur in begrenzter Menge, da auch hier sonst unmäßiges Nadelwachstum entsteht.
Düngen: Organischer Dünger in ausreichender Menge, beginnend nach dem Austreiben der Knospen.
Umpflanzen: Wie Pin. sylvestris, eher etwas öfter.
